Beratung "Juristische Scheidungsfragen" von Corinna Bauer jeden Mi/Do:17 - 19 Uhr! +++ Coaching von Robert Gottschalk jeden Donnerstag 18 - 20 Uhr! Achtung: TV (SWR) sucht Patchworkfamilien für Filmaufnahmen
Kolumne
Die traumhafte Stiefmutter
Allgemein
Geschrieben von: Frau Grünewald   
Montag, den 26. Juli 2010 um 00:00 Uhr

Anregung
Diese Kolumne soll als Anregung verstanden wissen. Wer mit mit der Moderatorin, Frau Grünewald diskutieren möchte, besucht bitte das entsprechende Forum (gleicher Name)

Die traumhafte Stiefmutter

Franziska wacht auf. Es ist stockdunkel, sie ist klatsch nass geschwitzt. Sie hat geträumt. Sie war mit ihrer kleinen Schwester Tine im Wald, nur im Schlafanzug. Mutterseelenallein. Sie hatten sich verirrt, Tine war den Tränen nahe. Sie war die Große, musste doch den Weg wissen, aber es gibt drei Wege, die gleich aussehen. Sie sucht einen Weg aus, sie hat Angst, aber sie spürt, jetzt kommt es auf sie an, sie fühlt sich groß und stark. Sie macht sich mit ihrer Schwester an der Hand auf ins Abenteuer!

Franziska steht auf, trinkt einen Schluck Wasser und geht zu den Kindern: Max, 8 Jahre, liegt verkehrt rum im Bett, die Decke unten. Die Töchter ihres Mannes, Sofia, 7 Jahre alt und Stella, 10 Jahre alt schlafen ruhig.

Was war das für ein Traum? Sie denkt an das Märchen ‚Hänsel und Gretel‘ und die armen Kinder, die im Wald ausgesetzt werden. Die böse Stiefmutter hatte sie im Wald ausgesetzt. Hilfe – sie ist doch auch Stiefmutter. Und die armen Kinder – aber sie hatte sich als Kind beim Abenteuer im Traum ganz gut gefühlt. Böse Stiefmutter? – arme Kinder? Ist das immer so?

Gestern hatte Sofia noch zu ihr gesagt: „Meine Mama sagt, Du bist nur unsere Stiefmutter, ich muss nicht auf Dich hören!“ Sie war perplex, sie hatte sich noch nie als Stiefmutter gesehen. Diese bösen Hexen in den Märchen, die die eigenen Kinder bevorzugen und die anderen schlecht behandeln. Verwirrt schläft sie endlich wieder ein, wacht am nächsten Morgen zerknirscht wieder auf. Ihr Mann liegt neben ihr und will sich ankuscheln. Die Kinder sind schon unten im Wohnzimmer und spielen. Sie erzählt Klaus von ihrem Traum, der sie immer noch verfolgt. Klaus sagt nur verschlafen: „Ich fand‘s auch immer schön und gruselig zugleich, allein im Wald zu sein. Da wird man erwachsen!“

Franziska ist immer noch verwirrt. Stiefmütterlich sein, heißt doch böse sein, oder? Bei Hänsel und Gretel schickt die Stiefmutter die Kinder in den Wald und lässt sie allein. Aber die Kinder finden dadurch auch ihren eigenen Weg. Jede Mutter lässt ihre Kinder allein im Kindergarten, schickt sie zum Turnen oder in die Betreuung. Die Trennung ist immer schwer - die armen Kinder. Aber dann lernen die Kinder Neues, entwickeln sich und werden groß. Gehört Stiefmütterliches also zum Muttersein? Brauchen Kinder Stiefmütterliches, um ihren eigenen Weg gehen zu können?

Franziska steht auf und kocht sich einen Kaffee. Die Mädchen kommen und belagern sie direkt: „Gehen wir gleich einkaufen? Spielst Du mit uns? Dürfen wir an Deine Malkiste?“ Ihr Sohn lässt sich nicht vom Legobauen ablenken. Sie merkt, wie ihr ‚böse‘ Gedanken durch den Kopf schießen: ‚Warum lassen die mich nicht in Ruhe? Das Wochenende könnte so ruhig sein, wieso tu ich mir das an? Wieso lasse ich das mit mir machen?‘

Beim Frühstückmachen denkt sie, wie es wäre, wenn sie die Mädchen einfach mal im ‚Regen stehen‘ lassen würde. Vielleicht muss sie sich nicht immer um sie kümmern, sondern darf sich ruhig mal stiefmütterlich verhalten. Vielleicht wären sie gar nicht so enttäuscht, oder wenn doch, vielleicht gehört ‚Enttäuscht sein‘ und das ‚Damit- fertig-werden‘ schon zum eigenen Weg der Mädchen?

Kann sie den Mädchen sagen, dass sie heute keine Lust hat, etwas mit ihnen zu machen. Sie muss noch mit Max Lesen üben und will dann ihre Ruhe. Sie ist fest entschlossen, das mal auszuprobieren, aber vorher will sie vielleicht doch nochmal mit Klaus reden….